Bilderklau

Mein Bild in fremden Händen – Was kann ich tun?

Immer wieder tauchen eigene Bilder an Stellen auf, an denen man sie selbst nicht platziert hat. Wir klären, an wen man sich wenden kann.

fremden Händen

Wer eigene Bilder online zur Verfügung stellt, egal ob aus privaten oder beruflichen Gründen, muss damit rechnen, dass diese von Fremden ohne Nachfrage oder ordnungsgemäße Lizenzierung kopiert und weiterverbreitet werden. Ein solcher Bilderklau fällt dem Urheber häufig zunächst gar nicht auf. Fällt es doch auf, stellt sich die Frage, wie man als Fotograf und Urheber gegen eine solche unerlaubte Nutzung vorgehen kann. Wir wollen an dieser Stelle Möglichkeiten aufzeigen, wie man zumindest eine weitergehende Nutzung unterbinden kann.

I. Verwendung in sozialen Netzwerken

1. Facebook

2. Google+

3. YouTube

4. Twitter

5. Twitpic

6. ImageShack

7. Instagram

8. Flickr

II. Verwendung in Blogs oder anderen Websites

III. Wenn all das nichts nutzt


Verwendung in sozialen Netzwerken wie Facebook und Google+

Aufgrund der sog. Störerhaftung besteht die Möglichkeit, sich an den Betreiber der jeweiligen Plattform zu wenden und die Löschung entsprechenden Bildmaterials zu  veranlassen. Häufig werden dafür passende Formulare angeboten. Folgende Kontaktmöglichkeiten bieten die gängigen Plattformen an:

Facebook

Facebook bietet dem geschädigten Nutzer die Möglichkeit, Urheberrechtsverletzungen über ein Formular zu melden und lösen zu lassen. Die bisherige Erfahrung zeigt, dass Facebook bei berechtigten Anfragen innerhalb von 24h reagiert und eine unzulässige Nutzung durch Löschung unterbindet.

Google+

Beim Konkurrenten Google+ findet sich unter jedem Foto und Video der Button „Optionen“ und bietet die Möglichkeit einen Verstoß gegen das Urheberrecht zu melden (drei Bilder). Auch hier wird zügig auf eine solche Anfrage reagiert.

Jedes Bild kann gemeldet werden

Nicht nur die Verletzung geistigen Eigentums kann gemeldet werden

YouTube

YouTube bietet die Möglichkeit, sich über ein Webformular gegen Urheberrechtsverletzungen zur Wehr zu setzen. Erforderlich ist allerdings, dass man einen gültigen Google-Account hat. Stimmt YouTube einer Löschung zu, muss man allerdings damit rechnen, dass man namentlich als „Buhmann“ dargestellt  wird.

Twitter

Stellt man fest, dass über Twitter ein eigenes Bild unberechtiger Weise genutzt worden ist, gibt es mehrere Möglichkeiten dies zu melden. Für Bilder, die von Twitter selbst gehostet werden, kann man sich per Mail, Fax oder Briefpost direkt an Twitter wenden. Für Bilder, die von anderen Anbietern (z. B. Twitpic) gehostet werden, muss man sich an den entsprechenden Hoster wenden (siehe unten).

Folgende Adressen und Nummern sind für eine Meldung bei Twitter relevant:

Mailcopyright@twitter.com

Fax: 415-222-9958

Briefpost:

Twitter Inc.,

Attn: Copyright Agent

795 Folsom Street, Suite 600

San Francisco, CA 94107

Wendet man sich über einen dieser Wege an Twitter, werden zur Bearbeitung der Angelegenheit folgende Informationen gefordert:

  1. Eine physische oder elektronische Unterschrift des Urheberrechtsinhabers oder einer Person, die rechtlich befugt ist, im Namen des Inhabers zu handeln:
  2. Die Identifizierung des geschützen Werkes, das von dem Verstoß betroffen ist,
  3. Die Identifizierung des verletzenden Materials, das entfernt oder gesperrt werden soll, sowie ausreichende Informationen, dass wir dieses Material finden können,
  4. Deine Kontaktdaten, einschließlich Anschrift, Telefonnummer und E-Mail-Adresse,
  5. Eine Erklärung , dass Du mit gutem Gewissen der Auffassung bist, dass das beklagte Material auf unbefugte Weise benutzt wird, die nicht vom Eigentümer des Materials, seinem Vertreter oder dem Gesetz erlaubt ist und
  6. Eine Erklärung, dass alle Informationen in der Klagemeldung richtig sind und, unter Kenntnisnahme der Strafbarkeit einer falschen eidesstattlichen Versicherung, dass Du befugt bist, im Namen des Urheberrechtsinhabers zu handeln

Sind alle Infos eingereicht, verspricht der Betreiber die Prüfung entsprechender Konten auf die angezeigte Urheberrechtsverletzung und lässt bei Wiederholungstaten den Account sperren.

Twitpic

Wendet man sich an Twitpic um eine Urheberrechtsverletzung zu melden, so verläuft dies ähnlich wie bei Twitter. Allerdings gibt Twitpic nur eine Postadresse in seinen Nutzungsbedingungen an. Ob Anfragen auch über das Kontaktformular beantwortet werden, ist nicht erwähnt. Auch Twitpic fordert die oben genannten Informationen vom sich beschwerenden Nutzer.

Folgende Postadresse gibt Twitpic an:

Attention: Copyright Agent

Twitpic Inc

PO Box 2692

Claremore, OK 74018-2692

ImageShack

Der Sharehoster ImageShack bietet die Möglichkeit, Urheberrechtsverletzungen über ein Formular zu melden.

Instagram

Bei dem beliebten Instagram-Service läuft die Markierung zu meldender Fotos ähnlich wie bei Google+. Eine Urheberrechtsverletzung kann direkt von der Nutzeransicht aus angezeigt werden. Eine Erläuterung zur Vorgehensweise gibt es hier.

Flickr

Der Bilderdienst Flickr löst die Meldung von Verstößen über ein Webformular, indem die entsprechenden informationen vom Nutzer abgefragt werden.

Verwendung in Blogs oder anderen Websites

Der „Vorteil“ beim Bilderklau durch den Betreiber eines Blogs oder einer kleineren Website ist, dass man in der Regel direkt Kontakt zu der verantwortlichen Person aufnehmen kann und nicht einem Ticketsystem oder Ähnlichem gegenüber steht. Das führt häufig zu einer schnelleren und unkomplizierteren Klärung der Angelegenheit. So sollte man sich nach Möglichkeit direkt an den Autor des entsprechenden Artikels oder die im Impressum angegebene Person wenden und sein Anliegen freundlich aber bestimmt formulieren.

Wenn all das nichts nutzt

In den meisten Fällen lässt sich durch die oben beschriebenen Vorgehensweisen die unzulässige Verwendung eines Fotos beenden. Allerdings besteht die realistische Gefahr, dass ein solcher Prozess manchmal länger dauert als man es sich wünscht und, wie bereits erwähnt, damit einhergeht, als Spielverderber dargestellt zu werden.

Führen die oben genannten Wege nicht zur Unterbindung der Urheberrechtsverletzung(en), muss beim Bilderklau ein anderer Weg eingeschlagen werden. Dieser führt vernünftigerweise zu einem spezialisierten Rechtsanwalt, der dann eine Fotorechts-Abmahnung formulieren und versenden kann. Damit soll der Verletzer zur Unterlassung weiterer Urheberrechtsverletzungen und zum Ausgleich eines entstandenen Schadens (z. B. der Kosten für die Inanspruchnahme eines Rechtsanwalts) bewegt werden. Lässt sich keine Einigung erzielen, bleibt als letzte Möglichkeit die Anstrengung einer Klage.

(Bild: © bluedesign – Fotolia.com)

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Chefredakteur/Gründer

Rechtsanwalt Dennis Tölle

toelle

Dennis Tölle ist Partner der Kanzlei Tölle Wagenknecht Wulff. Er ist vorwiegend im Bereich des gewerblichen Rechtsschutzes und des Urheberrechts tätig. Er begleitet kleine und mittelständische Unternehmen bei der Entwicklung von Markenstrategien sowie des rechtskonformen Außenauftritts. Unternehmen und Privatpersonen steht er bei Fragen zum Persönlichkeits- und Äußerungsrecht zur Seite.

Dennis Tölle ist Gründer und Chefredakteur des Magazins rechtambild.de und Mitautor der Bücher „Recht am Bild: Wegweiser zum Fotorecht für Fotografen und Kreative“ (2. Auflage) und „Datenschutz in der KiTa – Grundlagen und Erläuterungen für den Umgang mit Daten“ sowie Lehrbeauftragter für Medienrecht an der Hochschule Magdeburg.

Kontakt: d.toelle[at]rechtambild.de –  Dennis Tölle


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82 Kommentare

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    Kerstin Hoffmann 20. Januar 2012 Antworten
    Interessanter Artikel, danke dafür. Aber die Frage, die sich mir dabei stellt, bezieht sich auf die Unterscheidung zwischen widerrechtlich genutzten Bildern und solchen, die nur über einen Link eingebunden werden. Das geschieht bei Facebook automatisch und ist dort ja gang und gäbe. Die Plattform Pinterest beruht sogar ausschließlich darauf, dass externe Bilder auf der eigenen Plattform angezeigt werden. Handelt es sich da auch um eine solche widerrechtliche Nutzung? Oder muss ein Bild regelrecht hochgeladen werden, damit es für den Verwender Probleme gibt?

    Siehe dazu auch diesen Artikel von Leander Wattig: http://leanderwattig.de/index.php/2011/11/27/probleme-beim-umgang-mit-dem-urheberrecht-am-beispiel-der-web-plattform-pinterest/
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    Kerstin Hoffmann 20. Januar 2012 Antworten
    Danke für die differenzierte Ergänzung. Ich dachte mir schon, dass das bisher nicht eindeutig geklärt ist. Aber ich habe auch noch von keinem Fall gehört, in dem jemand die Einbindung eines Bildes bei Facebook oder anderswo abgemahnt hätte. Das wäre ja auch Wahnsinn, bei der Menge ...
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    RA Sebastian Dosch 20. Januar 2012 Antworten
    Eine schöne Übersicht über die Möglichkeiten, ein Bild wieder aus dem Internet zu bekommen. Vielen Dank für diese wertvolle Praxishilfe.

    Eins jedoch muss klar sein: Ist ein Bild erst einmal im Internet veröffentlicht, kann man es zwar im konkreten Fall wieder löschen lassen. Doch das Bild ist dann "in der Welt" - diejenigen, die es sich schon angeschaut haben, haben davon eine Kopie in ihrem Cache, manche haben es sich vielleicht auch aktiv heruntergeladen und könnten es erneut veröffentlichen. Auch die Originaldatei gibt es ja noch bei demjenigen, der das Bild zuerst angeboten hat.

    Mithilfe von Onlinediensten wie z.B. TinEye (http://www.tineye.com) kann man überprüfen, ob das Bild erneut veröffentlicht wurde. Dann geht das Ganze wieder von vorne los.

    Sinnvoll ist es daher in jedem Fall, zumindest denjenigen eine Unterlassungserklärung abgeben zu lassen, der das Foto ursprünglich gepostet hat. Es muss ja nicht gleich per kostenpflichtiger Abmahnung sein...
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    felix 20. Januar 2012 Antworten
    @Kerstin Hoffmann: es werden regelmässig Facebook-Nutzer abgemahnt, weil sie Bilder einbinden - zumindest soweit ihr Profil öffentlich einsehbar ist. Ist letztens noch einem Bekannten von mir passiert.
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    Kerstin Hoffmann 20. Januar 2012 Antworten
    @Felix: Danke für den Hinweis. Aber was meinst du mit Einbinden genau? Wenn ich auf Facebook z.B. zu einem Artikel auf "Spiegel online" verlinke, wird das Artikelbild ja automatisch angezeigt - es sei denn, ich deaktiviere es. Ich kann mir kaum vorstellen, dass jemand so etwas schon einmal abgemahnt hat.
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    felix 20. Januar 2012 Antworten
    @Kerstin: Sorry, da hatte ich mich recht ungenau ausgedrückt. Es handelte sich um Fotos (Spassfotos, Fotos von momentanen Sternchen, ...), die derjenige in eins seiner Fotoalben hochgeladen hat.
    Abmahnungen wegen den Vorschaubildern (wie bei Artikeln von Spiegel online, oder einfach URLs von Bildern die man einfügt) sind mir nicht bekannt.
  7. avatar
    Kerstin Hoffmann 20. Januar 2012 Antworten
    Danke für die Präzisierung. Da bin ich dann aber doch erleichtert. ;)
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    Horst 20. Januar 2012 Antworten
    In diesem Zusammenhang würde mich interessieren inwieweit die Einbindung von Screenshots/Hardcopys (mit Quellenverweis und/oder Verlinkung zur Quelle, jedoch ohne Rückfrage beim Urheber) in eigene Inhalte auf Blogs rechtlich zu bewerten sind.
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    Kerstin Hoffmann 20. Januar 2012 Antworten
    @Horst: Genau zu diesem Thema habe ich mal eine Rechtsanwältin interviewt (wenn der Link gestattet ist): http://www.kerstin-hoffmann.de/pr-doktor/2010/11/23/zitieren-verlinken-bilder-veroffentlichen-urheberrecht-was-ist-erlaubt-wo-drohen-strafen/
  10. avatar
    Horst 20. Januar 2012 Antworten
    @Kerstin: Vielen Dank.
    Demnach wäre ein Teil-Screenshot (mit/ohne Bildanteil) ein Kurz-/Teil-Zitat. Erst recht wenn um den Screenshot herum von mir noch eigener Text als Erläuterung plaziert wird.

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