Fotorecht

Suchen und Finden – Gesichtserkennung bei Massenveranstaltungen Teil 2

Wir hatten bereits über das Projekt des WDR berichtet. Auf dem Festival Rheinkultur in Bonn wurde ein hochauflösendes “Panoramabild” erstellt und ins Internet gestellt, damit sich alle Beteiligten im Detail dort wiederfinden können – und auch solche werden fündig, die einfach nur gucken wollen, wer sich aus dem Bekanntenkreis mit wem bei dem Konzert aufgehalten hat.

Schon bei dem Gigapixel-Bild des WDR sind wir, wie auch RA Stadler in seinem Blog, zu dem Schluss gekommen, dass dies rechtlich die Grenze der Zulässigkeit überschreitet.

Wie Gesichtserkennung im Internet mit Hilfe von Facebook ablaufen kann zeigt nun auch das Projekt von Glastonbury 2011. Angepriesen mit “A huge festival photo. A whole load of tags” wird ein riesiges Festivalfoto im Internet zur Verfügung gestellt. Wie auf lawblog.de beschrieben, sollen angeblich schon über 9.000 Gesichtern getaggt worden sein. Das heißt die Gesichter wurden (durch Dritte) identifiziert, markiert und mit Facebook-Profilen verknüpft. Egal ob man bei Facebook eingeloggt ist oder nicht, kann man auf dem Foto nun jeder markierten Person einen Namen zuordnen. Da müssten doch jedem Datenschützer die Ohren klingeln, bei der Datenmenge die da verarbeitet und gesichert wird. Und ob das jedem Teilnehmer des Festivals so bewusst ist, mag auch dahingestellt sein.

Selbst wenn man davon ausgeht, dass dies datenschutztechnisch einigermaßen korrekt abläuft. Nach deutschem Recht könnte man – wie beim WDR-Gigapixelbild – annehmen, dass das “Recht am eigenen Bild” verletzt ist und eigentlich eine Einwilligung der betroffenen Personen eingeholt werden müsste. Denn jede Person ist so eindeutig erkenn- und identifizierbar, dass man nur schwer mit der Ausnahme nach § 23 Abs. 1 Nr. 3 KUG argumentieren kann.

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Chefredakteur

Rechtsanwalt Florian Wagenknecht

wagenknecht

Florian Wagenknecht ist Rechtsanwalt bei TWW.LAW. Als Fachanwalt für Urheber – und Medienrecht und Datenschutzbeauftragter (TÜV) steht er seinen Mandanten für umfassende Beratungen zur Seite. Eine spezielle Expertise besitzt RA Wagenknecht im Bereich des Fotorechts, sowohl bei der Rechtsdurchsetzung von Lizenzansprüchen wie auch der Abwehr von Abmahnungen.

RA Wagenknecht hat Rechtswissenschaften in Bonn mit dem Schwerpunkt auf  “Wirtschaft & Wettbewerb” studiert und sein Referendariat bei dem Oberlandesgericht Köln mit Stationen bei der Deutschen Welle in Bonn und einer international tätigen Rechtsanwaltskanzlei in Köln absolviert. 2013 schloss er die Zusatzausbildung „Journalismus und Recht“ ab.

Seit 2010 ist RA Wagenknecht Chefredakteur des Online-Magazins „rechtambild.de“ in dem er regelmäßig publiziert. Er ist Mitautor des Buches “Recht am Bild: Wegweiser zum Fotorecht für Fotografen und Kreative” sowie „Datenschutz in der KiTa – Grundlagen und Erläuterungen für den Umgang mit Daten“.

Kontakt: f.wagenknecht[at]rechtambild.de – Florian Wagenknecht


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1 Kommentar

  1. avatar
    Sam 12. Juli 2011 Antworten
    Richtig spannend wird es, wenn die Google Bildersuche Gesichter finden kann, und man zB im Netz nach Fotos von sich selber suchen kann (was sicher kommen wird).

    Ich seh schon die Ad's am Rand von Rechtsanwälten, die anbieten auf Entfernung von Bildern zu klagen...

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