Fotorecht

Miturheberschaft im Fotorecht

In den meisten unserer Artikel sprechen wir von dem Fotografen als Urheber. Daran ist grundsätzlich auch nichts auszusetzen. Zumindest solange nicht, wie er selbst und allein für die Entstehung des Fotos verantwortlich ist. Was passiert jedoch, wenn an einem Foto nicht nur er, sondern auch viele weitere Personen mitgearbeitet haben? So haben doch auch der Bühnenbildner, die Maske und die Ausleuchter bei der Entstehung des Bildes ihre Leistung erbracht und nicht lediglich der Fotograf allein.

Rechtlich ist in solchen Fällen die in § 8 Urhebergesetz (UrhG) geregelte Miturheberschaft denkbar:

(1) Haben mehrere ein Werk gemeinsam geschaffen, ohne daß sich ihre Anteile gesondert verwerten lassen, so sind sie Miturheber des Werkes. […]

Es ist demnach erforderlich, dass das Werk, in diesem Fall die Fotografie, gemeinsam geschaffen wurde. Hierbei kommt es jedoch nicht auf den konkreten Umfang und die Größe der Beiträge an, sondern darauf, ob sie schöpferisch, also werkschaffend, waren (BGH, Urteil v. 14.07.1993, Az.: I ZR 47/91). Miturheber wird also, wer schöpferisch an der Entstehung des Fotos mitgewirkt hat. Nicht Miturheber wird, wer lediglich die ihm übertragenen Hilfsaufgaben ausführt und ohne Gestaltungsspielraum handelt.

In der Praxis wird es häufig wohl so sein, das die beteiligten Personen Arbeitsanweisungen vom Fotografen erhalten. Die Ausführung ist dann lediglich Gehilfentätigkeit im urheberrechtlichen Sinne und der Fotograf wird allein Urheber. Anders ist dies möglicherweise zu beurteilen, wenn Fotograf und z. B. Bühnenbildner gemeinsam eine Planung zur Erstellung des Bildes erstellen. Ob daraus jedoch zugleich eine Miturheberschaft resultiert, ist fraglich. Da bei Lichtbildwerken nur geringe Anforderungen an die Schutzfähigkeit gestellt werden, wird wohl auch hier das Wählen des Ausschnitts und Abdrücken des Auslösers durch den Fotografen bereits zur Entstehung der alleinigen Urheberschaft ausreichen. Vergleichbares gilt für die Entstehung von Lichtbildern gem. § 72 UrhG.

Unter dem Strich lässt sich also festhalten, dass in den häufigsten Fällen derjenige, der den Auslöser drückt, auch Urheber wird. Davon abweichende Fälle sind denkbar, aber in der Praxis kaum umzusetzen, da bereits dem Drücken des Auslöser eine derart entscheidende Rolle zukommt. Passend zu dem Thema: Das Recht am Bild im Dienst- oder Arbeitsverhältnis.

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Chefredakteur/Gründer

Rechtsanwalt Dennis Tölle

toelle

Dennis Tölle ist Rechtsanwalt der Kanzlei Tölle Wagenknecht. Er ist vorwiegend im Bereich des gewerblichen Rechtsschutzes und des Urheberrechts tätig. Er begleitet kleine und mittelständische Unternehmen bei der Entwicklung von Markenstrategien sowie des rechtskonformen Außenauftritts. Unternehmen und Privatpersonen steht er bei Fragen zum Persönlichkeits- und Äußerungsrecht zur Seite.

Dennis Tölle ist Gründer und Chefredakteur des Magazins rechtambild.de und Mitautor der Bücher „Recht am Bild: Wegweiser zum Fotorecht für Fotografen und Kreative“ (2. Auflage) und „Datenschutz in der KiTa – Grundlagen und Erläuterungen für den Umgang mit Daten“ sowie Lehrbeauftragter für Medienrecht an der Hochschule Magdeburg.

Kontakt: d.toelle[at]rechtambild.de –  Dennis Tölle


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