Fotorecht

Straßenfotografie – eine rechtlich heikle Kunst

Fotograf Espen Eichhöfer fotografierte eine Dame auf offener Straße. Er sieht das geschossene Bild als Kunstwerk an, während sich die Frau in ihrem Persönlichkeitsrecht verletzt fühlt und Eichhöfer auf Schmerzensgeld verklagt.

5 Februar 2015, 08:00

Vivian Korneh

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Fotograf Eichhöfer

Espen Eichhöfer ist ein Fotograf der Ostkreuz-Agentur und fotografiert vor allem Alltagsszenen auf offener Straße. Er stellt diese entweder in Galerien aus oder veröffentlicht sie im Internet. In den meisten Fällen befinden sich auf seinen Bildern deutlich erkennbare Personen in alltäglichen Straßenszenen.

Einem Bericht der Berliner Zeitung zufolge, lichtete er auf einem im Mai 2013 geschossenen „Street“-Foto eine gut gekleidete Frau vor dem Berliner Bahnhof Zoo ab. Eichhöfer stellte das Bild in der Galerie “C/O Berlin” aus. Er wollte eine typische Berliner Straßenszene darstellen. Dies tat er, ohne die Frau um Erlaubnis zu bitten. Die Konsequenz, die er daraus ziehen musste, war eine Klage auf Unterlassung und Schmerzensgeld in Höhe von jeweils 4.500€ gegen ihn sowie die Galerie. Die Passantin sah sich durch die Fotografie und deren Veröffentlichung in ihrem Persönlichkeitsrecht verletzt.

Abwägung der unterschiedlichen Rechte

Straßenfotografie ist rechtlich gesehen ein sehr heikles Thema. Es stehen sich die Kunstfreiheit des Künstlers und die Persönlichkeitsrechte der abgelichteten Menschen gegenüber.

Der Fotograf muss sich grundsätzlich für den Fall der späteren Verbreitung oder öffentlichen Zurschaustellung der Bilder eine Einwilligung der abgebildeten Personen einholen (§ 22 S.1 KunstUrhG). Hiervon gilt lediglich dann eine Ausnahme, wenn die Personen nur als Beiwerk neben einer Landschaft oder sonstigen Örtlichkeit erscheinen oder es sich um Bilder von Versammlungen, Aufzügen und ähnlichen Vorgängen handelt (§ 23 Abs. 1 KunstUrhG). Der Fotograf muss sich also entweder vor oder nach der Fotografie eine Einwilligung der abgebildeten Personen einholen. Dass dies mit dem Grundgedanken der Streetphotography nicht in Einklang steht, ist für Eichhöfer offensichtlich: „Das ist praktisch überhaupt nicht möglich. Man kann nicht jedem hinterherlaufen. Und wenn man das Einverständnis vorher einholen würde, wäre der Moment, das Motiv vorbei.

Für die Fotografen streiten die Panorama- und Kunstfreiheit (Art. 5 Abs. 3 S. 1 GG). Sie haben sich gegenüber dem Recht am eigenen Bild der abgebildeten Person(en) zu behaupten. Darüber hinaus wird wohl auch die lange Tradition der Straßenfotografie zu berücksichtigen sein. Denn ohne die zufälligen Aufnahmen einer Straßenszene könnten zukünftige Generationen das Leben des Jahres 2015 nicht derart nachvollziehen, wie wir es die letzten über 100 Jahre konnten.

Gerichtsentscheidung

Im Fall Eichhöfer setzte die fotografierte Dame vor dem Landgericht Berlin ihren Unterlassungsanspruch durch. Das Gericht entschied, dass das Bild aus der Galerie entfernt werden müsse. Dem Schadensersatzanspruch gab das Gericht hingegen nicht statt.

Rechtssicherheit für (Street-)Fotografen

Um in Zukunft auf der sicheren Seite zu sein, legte Eichhöfer Berufung gegen die Entscheidung ein. Er wünscht sich auf dem Gebiet der Straßenfotografie zukünftig Rechtssicherheit und würde dafür sogar bis vor das Bundesverfassungsgericht gehen.

Zur Erreichung dieses Ziels gründete er eine Kampagne bei der Crowdfundingplattform Startnext, mit Hilfe derer er Geld für einen möglichen Prozess sammelt.

Fazit

Es bleibt abzuwarten, wie das Kammergericht nun mit der Berufung umgeht. In jedem Fall wird es interessant zu beobachten sein, wie es die Rechte der Fotografen und der abgelichteten Personen gewichten wird. Ein Grundsatzurteil erscheint angesichts der mannigfaltigen unterschiedlichen Interessen jeden Einzelfalls jedoch eher unwahrscheinlich.

Quellen:

(Bild: © ARTENS – Fotolia.com)

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Vivian Korneh

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Vivian Korneh studiert Rechtswissenschaften an der Universität zu Köln und bereitet sich derzeit auf das 1. Examen vor.

Kontakt: vivian-k[at]live.de


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    Veröffentlichung: 5. Februar 2015

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