Fotorecht

Was macht Flickr mit unseren Bildern?

Das Internetportal Flickr hat mit Beschwerden zu kämpfen – Nutzer der Plattform fühlen sich ungerecht behandelt und wollen nicht zusehen, wie Yahoo ihre Werke zu Geld macht, ohne sie daran zu beteiligen.

Das seit 2005 unter der Führung von Yahoo stehende Internetportal „Flickr“ ermöglicht es Nutzern, ihre Bilder und auch kurze Videos hochzuladen und mit der Welt zu teilen. Besucher der Seite können sich Bilder ansehen, diese weiter verbreiten oder in der hochgeladenen Form drucken.

Creative-Commons-Lizenz (CC)

Flickr-Nutzer stellen ihre Bilder unter anderem unter CC-Lizenzen ins Netz. Darunter versteht man einen Lizenzvertrag, welcher die rechtlichen Nutzungsbedingungen kreativer Inhalte – wie die der hochgeladenen Bilder – festlegt. So werden den Besuchern der Website einige Freiheiten eingeräumt. Dank der CC-Lizenzen ist es möglich, Bilder zu kopieren, zu verändern oder als Basis für eigene Kreationen zu nutzen.

Großkonzern Yahoo nutzt Freiheiten aus

Die Privilegierungen sind eigentlich für private Besucher von Flickr gedacht. Entgegen der moralischen Vorstellung der Flickr-Nutzer werden die Bilder auch von Yahoo genutzt. Der Konzern druckt hochgeladene Bilder auf Leinwände und verkauft diese für 49 Dollar. So profitiert Yahoo wirtschaftlich von den Beiträgen der Nutzer, ohne die Urheber an dem Gewinn zu beteiligen.

Eine sehr aktive Flickr-Benutzerin hat sich besonders geärgert. Liz West lädt regelmäßig selbst geschossene Bilder hoch, welche nicht nur bei Flickr-Besuchern großen Anklang finden. Auch Yahoo sah in ihren Bildern die Chance, Geld zu verdienen. West stellte ihre Fotografien unter einer CC-Lizenz ins Netz. Yahoo genießt damit die Freiheit, Wests Bilder für eigene Zwecke zu nutzen. Die einzige Bedingung ist es, den Urheber zu nennen – an diese hielt sich das Unternehmen stets.

Während West in der Nutzung der CC-Lizenzen die Chance sah, ihre Bilder einfacher zu verbreiten, globaler zu handeln und kleinere Verhandlungen mit Interessenten zu führen, erhofft sich der Großkonzern durch seine Handlungen eine weitere Kapitalanlage.

Wie geht es nun weiter?

Obwohl den Nutzern keine rechtlichen Ansprüche zustehen, hat Yahoo nach Unruhen von Seiten der Community den Verkauf der Bilder zum lediglich eigenen Vorteil eingestellt.

Bernardo Hernandez, Leiter von Flickr, will darüber hinaus zukünftig Angebote schaffen, die mit den Vorstellungen der Flickr-Nutzer übereinstimmen.

Eine weitere Reaktion auf die sich häufende Kritik war die Kostenrückerstattung an diejenigen, die sich Fotos haben ausdrucken lassen.

Keine CC-Lizenzen mehr

In Zukunft wird es die Flickr Wall Art nur noch mit Bildern geben, die nicht auf CC-Lizenzen basieren, so Bernardo Hernandez. Das Drucken fremder Bilder wird nur noch erlaubt sein, wenn sich der Anwender angemeldet hat. Zudem erhält der Urheber einen Anteil in Höhe von 51% des Verkaufserlöses.

In Deutschland kann sich der Urheber schon nach der Fertigstellung seines Werkes automatisch auf das Urheberrecht berufen. Die Veröffentlichung sowohl der bearbeiteten Version wie auch des Originalbildes bedarf dann der Einwilligung des Urhebers. Ansonsten kann dies dies unter anderem zu hohen Schadensersatzansprüchen führen. Ein Verzicht auf CC-Lizenzen lässt dem Urheber daher einen größeren Spielraum bei der Ausübung seiner Rechte. Wer sich für die CC-Lizenzen entscheidet, beraubt sich damit unter Umständen ungewollt seiner eigenen Rechte.

Allerdings könnte so auch ein interessantes, möglicherweise effektives Geschäftsmodell verpasst werden. Denn bei fairem Handeln beider Seiten können sowohl der Urheber als auch der „Verbreiter“ (z.B. Leinwandproduzent) Profit aus der Sache schlagen. Während der Urheber seinen Bekanntheitsgrad erhöht, verdient der „Verbreiter“ durch den Verkauf des genutzten Bildes Geld. Beide Seiten haben etwas von der Zusammenarbeit.

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Vivian Korneh

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Vivian Korneh studiert Rechtswissenschaften an der Universität zu Köln und bereitet sich derzeit auf das 1. Examen vor.

Kontakt: vivian-k[at]live.de


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6 Kommentare

  1. avatar
    Olaf Herrig 19. Januar 2015 Antworten
    Bilder bei Flickr unter CC-Lizenz hochzuladen ist nur eine Möglichkeit von vielen! Wer seine Bilder frei gibt sollte sich nicht wundern, wenn diese Freiheiten auch genutzt werden.

    Bei dem ganzen Wirbel um Flickr ging es wohl aber vor allem darum, daß Bilder von Yahoo kommerziell verwertet wurden, die NICHT der CC-Lizenz unterstanden!
  2. avatar
    Der Wirbel ging wohl in mehrere Richtungen. Uns liegen bisher nur Informationen bzgl. der Nutzung von Bildern mit CC-Lizenzen vor, vgl. Bericht bei Spiegel
  3. avatar
    surfguard 19. Januar 2015 Antworten
    "Die Privilegierungen sind eigentlich für private Besucher von Flickr gedacht."
    Wie kommen Sie darauf? Dieser Satz ist der alles entscheidende, denn er stellt Yahoo ins moralische Unrecht. Er ist aber falsch.

    Ich selbst stelle meine Bilder auch unter eine CC-Lizenz, und zwar bewusst unter die Variante "Attribution-NonCommercial-ShareAlike". Wer das "NonCommercial" weglässt, der akzeptiert, dass seine Bilder kommerziell genutzt werden. Und warum sollte eine kommerzielle Nutzung durch Yahoo dann irgendwie verwerflicher sein als durch andere?

    Es ist genau die NonCommercial-Option in den CC-Lizenzen, mit denen man "Privilegierungen" für private Nutzern zulassen, für kommerzielle aber ausschließen kann. Wer diese Variante nicht zieht, kann sich nicht beklagen, zumal die Default-Einstellung bei Flickr meines Wissens nach "All rights reserved" ist. Jede CC-Lizenz ist also eine bewusste, aktive Wahl des Nutzers.
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    Vivian Korneh 19. Januar 2015 Antworten
    @surfguard Dieser Satz ist so gemeint, dass der gewöhnliche Flickr-Nutzer – wie in den Quellen gezeigt – die CC-Lizenz nicht unbedingt durchschaut hat. Derjenige, der seine Bilder einstellt, geht davon aus, dass andere interessierte Nutzer Bilder privat nutzen, nicht zu Verkaufszwecken.

    Ein Flickr-Nutzer (wie zum Beispiel West) hat nicht die Intention, dass ihre Bilder ohne Absprache verkauft werden. Vor allem, wenn sie daran nicht beteiligt wird. Darin ist die unmoralische Handlung Yahoos zu sehen. Sicherlich würden die Nutzer dies auch bei anderen Nutzern beanstanden. Bisher fiel der 'Missbrauch' aber nur beim Großkonzern auf.

    Dieses Missverständnis lässt sich natürlich durch eine intensivere Beschäftigung der Nutzer mit den einzelnen CC-Lizenzarten beseitigen. Es ist Yahoo als Betreiber jedoch durchaus zuzumuten, über entsprechende Nutzungen explizit aufzuklären. Die Reaktion unter http://blog.flickr.net/2014/12/18/an-update-on-flickr-wall-art/ stützt dies meiner Ansicht nach.
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    surfguard 19. Januar 2015 Antworten
    Die verlinkte Reaktion von Flickr/Yahoo ist einfach nur professionell: Der Kunde hat immer Recht. Als Anbieter muss man das auch so sehen. Wenn man die Angelegenheit aber von außen kommentiert, dann hätte ich mir mehr Nüchternheit erwartet.

    Auch ein Satz wie "Wer sich für die CC-Lizenzen entscheidet, beraubt sich damit unter Umständen ungewollt seiner eigenen Rechte" trifft auf mein Unverständnis. Wieso "beraube" ich mich meiner Rechte? Wo ist der Raub, wenn ich doch diverse andere Möglichkeiten habe, deren restriktivste auch noch die Flickr-Voreinstellung ist? Ich verzichte freiwillig (!) und aktiv (!!) auf einige Rechte, die ich unter "all rights reserved" hätte - und das ist auch genau der Sinn von CC-Lizenzen!

    Das als Raub darzustellen, halte ich für eine Sicht der Dinge, die auf mindestens einem Auge blind ist.
  6. avatar
    Rolf Müller 10. Februar 2016 Antworten
    Als "Intensivnutzer" von flickr (über 26000 Fotos) bin ich entsetzt über die Politik, die hier gefahren wird. Wer seine Bilder unter CC oder ähnlichem einstellt, ja, der hat es nicht anders verdient. Aber wie kann es sein, dass alle meine Bilder (und hier habe ich in 99,99% aller Fälle nicht auf ein Copyright verzichtet)mit einem "buy" versehen sind?

    Sollten meine Rechte missachtet werden, werde ich meinen Account sofort und vollständig löschen. Ich habe absolut nichts dagegen, wenn private Nutzer sich selbst Drucke meiner Bilder anfertigen (lassen). Ich bekomme nichts, der Privatnutzer bezahlt nichts. Auch sonstige Nutzer können - auf Nachfrage und mit Genehmigung meine Bilder nutzen. Aber dass eine dritte Partei Geld damit macht, ohne mich zu beteiligen, das ist ein Skandal.

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