Fotorecht

Auftragsfotografie bei Bestattungen

Es ist eine der fotografisch unangenehmsten „Arbeiten“: Das Leid der Hinterbliebenen am Friedhof bei Bestattungen abzulichten. Hier gilt Würde und – im wahrsten Sinne – großen Abstand zu halten.

14 September 2012, 09:00

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Die einen nennen es „Leichenfotografie“, die anderen „Schund“. Wenn Fotografen beauftragt werden, eine Bestattung abzulichten, sind Vorsicht und Würde geboten. Geht es um Prominenz aus Politik, Kultur und Wirtschaft, ist es leichter: Das Prominent-Sein endet auch medial-öffentlich mit dem Tod und das wird durchaus toleriert, wenn man dezent ist. Dezent heißt: Eine passende Kleidung haben, die „Location“ vorher auf fotografische Möglichkeiten ausloten und mit Teleskop arbeiten. Im Abseits stehen und die Unauffälligkeit in Person sein. Da kann man schon mal das Tele unter einem Mantel verstecken.

Abstand auf zweifache Weise

Viel schlimmer, tragische Verabschiedungen von nicht öffentlichen Personen zu fotografieren: Zum Beispiel die Verabschiedung eines verunfallten Kindes, das leider auf Grund der tragischen Umstände die Medien interessiert. Hier gilt: Niemals ohne Tele – nicht unter der Brennweite von 200, besser noch bis 400. Die fotografische Reichweite alleine ist aber kein Schutz:

  • Hinfahren zum Friedhof zu Beginn der Zeremonie ist ein schwerer Fehler: Nehmen Sie sich Zeit, die Umgebung, die Zugänge und die Route der Trauergemeinschaft auszukundschaften.
  • Wenn Sie mit dem Auto parken können, fotografieren Sie mit dem Tele aus dem Fenster. Dezent und unauffällig.
  • Denken Sie sich ins Leid der Betroffenen hinein: Wollen Sie als Betroffener frontal abgelichtet werden? Es reicht, die Trauergemeinde seitlich oder besser von hinten zu fotografieren.
  • Meiden Sie jegliche Konfrontation: Werden Sie „erwischt“, dann gilt es, die Würde vor den Auftrag zu stellen – die Emotionen sind in diesen Fällen berechtigt zu heftig.

Ästhetik im Krematorium

Das Sterben gehört zum Leben – und für Fotografen kann auch die Vermittlung der Feuerbestattung vom Motiv her interessant sein. Hier braucht es freilich Kontakte zur/zum jeweilig Zuständigen. Wer eine Feuerbestattung fotografieren darf, hat viele Möglichkeiten: Die Einführung, das Verbrennen selbst durch ein „Guckfenster“ und die Verarbeitung der sterblichen Überreste (es werden metallische Gegenstände gefiltert, die sterblichen Überreste nochmals gemahlen). In diesen Fällen ist einem Fotografen meistens nichts verboten, aber bei der Nachbearbeitung gilt es, besondere Sorgfalt walten zu lassen. Warum:

  • Beschreiben Sie die Capture nicht mit genauem Zeitdatum; es läßt sich vieles nachvollziehen.
  • Beschneiden Sie die Gestorbenen bei der Verbrennung so, daß nichts erkennbar ist.
  • Auch die Krematoriums-Mitarbeiter müssen unkenntlich sein –geschnitten oder verpixelt.
  • Alles, was auf Namen hindeutet (Plaketten auf den Särgen, Nummern), muß vom Bild verschwinden oder verpixelt werden.
  • Lassen Sie sich jedenfalls – auch bei gutem Einvernehmen mit dem Krematoriumsbetreiber – eine Fotografieerlaubnis – rights managed- unterschreiben.
  • Geben Sie keine Fotos weiter, deren Weitergabe an Medien und Agenturen vorher nicht schriftlich erlaubt wurde.

Wie gut Betroffene aufpassen, dokumentiert folgendes Erlebnis: Als ein Fernsehteam des Österreichischen Rundfunks eine Reportage gedreht hatte und die Angehörigen dies sahen, riefen Sie den Betreiber auf Grund der Verbrennungsdaten an, ob es sich um den Verstorbenen gehandelt habe könnte. Der Geschäftsführer des Krematoriums war ehrlich und bejahte, die Betroffenen ebenso kulant und sie klagten nicht. Es kann aber auch anders sein.

(Bild: © line-of-sight – Fotolia.com)

Dieser Beitrag wurde von unserem Gastautor Roland Mühlanger verfasst.
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    Veröffentlichung: 14. September 2012

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