Selbstständigkeit

Antworten für selbständige Fotografen oder die, die es werden wollen – Teil 1

An der fachlichen Kompetenz scheitert es bei der Selbstständigkeit selten. Vielmehr sind Themen wie Versicherungen, Buchführung oder Steuererklärung die Stolpersteine. Das müssen sie jedoch nicht sein.

Der Schritt in die Selbständigkeit als Fotograf bedarf nicht nur einiger Planung, sondern auch die Beachtung rechtlicher Gesichtspunkte. Einige Fragen, die uns immer wieder gestellt werden, sollen in einer Serie von Artikeln beantwortet werden.

Wie darf ich mich eigentlich bezeichnen?

Fotograf? Fotodesigner? Lichtbildner? Die Bezeichnung als Fotograf ist gesetzlich nicht geschützt. Es handelt sich nach Anlage B Abschnitt 1 Nr. 38 zur Handwerksordnung um ein zulassungsfreies Handwerk, das keine absolvierte Ausbildung oder eine Meisterprüfung (mehr) voraussetzt. Wer also eine Tätigkeit als Fotograf ausübt, kann sich auch als solcher bezeichnen und muss sich nicht auf anderslautende Begriffe beschränken. Voraussetzung ist nur, dass keine Irreführung darüber erweckt wird, dass eine Gesellen- oder Meisterprüfung absolviert wurde. Nach wie vor besteht nämlich selbstverständlich die Möglichkeit, zur Aufwertung der Qualität oder des Rufes einen Meistertitel in Fotografie zu erlangen und sich dann als „Fotografenmeister/in“ bezeichnen.

Brauche ich als selbständiger Fotograf einen Gewerbeschein?

Wer sich als Fotograf selbständig macht, muss sich darüber Gedanken machen, ob er seine Tätigkeit künstlerisch oder gewerblich ausübt. Die Einstufung ist insbesondere wichtig für die Frage, ob man ein Gewerbe anmelden und Gewerbesteuer abführen muss, kann aber auch Relevanz für die Versicherungspflicht in der Künstlersozialkasse haben.

Zu unterscheiden ist die handwerkliche, die gewerbliche und die freiberufliche Fotografie.

Die handwerkliche Fotografie erfasst z.B. die Herstellung von Portrait- oder Passfotos, Architektur- oder Hochzeitsfotos oder Produktfotografie. Wie der Handwerksordnung als Spezialgesetz der Gewerbeordnung zu entnehmen ist, wird die handwerkliche Fotografie als Gewerbe eingestuft und macht damit auch eine Gewerbeanmeldung erforderlich.

Wer als Fotograf in der Mode-, Industrie- und Werbefotografie tätig ist und den rein handwerklichen Bereich der Fotografie verlässt, handelt ebenfalls gewerblich. Auch für diese „gewerbliche Fotografie“ ist eine Gewerbeanmeldung erforderlich.

Hiervon abzugrenzen sind die freiberuflichen Fotografen, die ihre Fotos als Kunstwerke verkaufen oder die als Fotojournalist oder Bildberichterstatter tätig sind. Kennzeichnend für die künstlerische Fotografie sind die Motivwahl und die Motivgestaltung nach ästhetischen Gesichtspunkten (z.B. Ausdruck, Komposition, Licht, Schattenwurf, Perspektive, farbliche Gestaltung, Verfremdungseffekte, Weichzeichnung)“ (vgl. BSG, Urteil vom 24.06.1998 – B 3 KR 11/97 R).

§ 18 Einkommenssteuergesetz (EStG) regelt, dass zur freiberuflichen Tätigkeit „die selbständig ausgeübte (…) künstlerische (…) Tätigkeit, die selbständige Berufstätigkeit der (…) Journalisten [und] Bildberichterstatter“ gehört. Berufsfotografen, die vom Finanzamt aufgrund entsprechender Nachweise der Betroffenen als Freiberufler anerkannt werden, zahlen keine Gewerbesteuer. Sie brauchen auch keine Gewerbeanmeldung für eben diese Tätigkeit.

Die Feststellung der Künstlereigenschaft ist mitunter nicht ganz einfach. Dies gilt vor allem für die Einstufung von Werbefotografen als Künstler, da Werbefotos nun einmal für einen gewerblichen Zweck bestimmt sind und vor allem die Finanzämter diese Tatsache schon für die Annahme einer gewerblichen Tätigkeit oft ausreichen lassen. Diese Zweckbestimmung der Fotos lässt aber nach dem Bundesfinanzhof nicht zwangsläufig Rückschlüsse auf die Art der Tätigkeit des Fotografen zu. Zur Erleichterung des Nachweises einer künstlerischen Tätigkeit, hat man in einigen Bundesländern spezielle Gutachterkommissionen eingerichtet, welche die Künstlereigenschaft prüfen und klären.

Ob also eine freiberufliche, gewerbesteuerfreie Tätigkeit vorliegt, sollte stets im Einzelfall genau untersucht werden, da die steuerliche Anerkennung nach der Rechtsprechung zum Teil von Feinheiten abhängt. Hinzuweisen ist darauf, dass es auch möglich ist, dass der Fotograf verschiedene Betätigungen im handwerklichen und künstlerischen Bereich ausübt. Dann kann nebeneinander eine gewerbliche und eine freiberufliche Tätigkeit vorliegen.

Im nächsten Teil: Anmeldung und Mitgliedschaft in der Handwerkskammer und Versicherungspflichten des Fotografen

(Bild: © djedzura – Fotolia.com)

Dieser Beitrag wurde von unserer Gastautorin Rechtsanwältin Teresa Dretzki verfasst. Sie berät vorwiegend im gewerblichen Rechtsschutz und auch in allen Fragen des Urheber- und Medienrechts. Dies umfasst auch das Internet- und Presserecht sowie das Marken- und Werberecht, Wettbewerbs- und Eventrecht.
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    Veröffentlichung: 24. Mai 2012

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