Ausgegrenzt

Keine Kindergeschichten ohne Foto bei Facebook

Wie sich Facebook auf die Realität auswirkt, zeigt der Fall einer Grundschule im Harz. Dort konnten Schüler nicht an einer Geschichtsstunde teilnehmen weil ihre Eltern keine Bilder von den Kindern im Netzwerk sehen wollten.

Wie die Goslarsche Zeitung berichtet hat die Wurmbergschule in Braunlage (im Hartz) sechs Schüler von der Schulstunde mit einem Geschichtenerzähler ausgeschlossen, weil dessen Eltern ihre Einwilligung zur Veröffentlichung von Bildern bei Facebook verweigert haben.

Dass die Eltern grundsätzlich dieses Recht haben, solange die Kinder das 17 Lebensjahr noch nicht vollendet haben, ist vom Gesetzgeber und der Rechtsprechung anerkannt. Ausnahmsweise kann bei Kindern zwischen 8 und 17 Jahren die Einwilligung der Eltern entbehrlich sein (und die des Kindes entscheidend), wenn die Minderjährigen eine ausreichende Fähigkeit zur Selbstbestimmung aufbringen – sie also selbst vollumfänglich die Risiken und Folgen einer solchen Veröffentlichung abschätzen können. Dies ist bei Grundschülern trotz fortschreitend früherer geistiger Entwicklung aber wohl nicht anzunehmen.

Details zu der Frage der Veröffentlichung von Bildern Minderjähriger haben wir bereits hier beleuchtet.

Allerdings stellt sich bei dieser Geschichte vielmehr die Frage: Wie wichtig ist es für eine Grundschule, dass Bilder des Unterrichts bei Facebook landen? Sind solche Bilder in der Öffentlichkeit wichtiger als Geschichten für Kinder? Da kann man durchaus mit dem Kopf schütteln. Wie wir bereits an dieser Stelle beleuchtet haben, werden beim Upload von Bildern bei Facebook umfangreiche Rechte eingeräumt, die sich nur schwer widerrufen lassen. Die Entscheidung, Bilder des eigenen Kindes nicht bei Facebook einzustellen, kann man daher gut verstehen.

Die Kinder mussten während der Zeit der Geschichtserzählung an dem Unterricht anderer Klassen teilnehmen.

(Bild: © styleuneed – Fotolia.com)

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Chefredakteur/Gründer

Rechtsanwalt Dennis Tölle

toelle

Dennis Tölle ist Partner der Kanzlei Tölle Wagenknecht Wulff. Er ist vorwiegend im Bereich des gewerblichen Rechtsschutzes und des Urheberrechts tätig. Er begleitet kleine und mittelständische Unternehmen bei der Entwicklung von Markenstrategien sowie des rechtskonformen Außenauftritts. Unternehmen und Privatpersonen steht er bei Fragen zum Persönlichkeits- und Äußerungsrecht zur Seite.

Dennis Tölle ist Gründer und Chefredakteur des Magazins rechtambild.de und Mitautor der Bücher „Recht am Bild: Wegweiser zum Fotorecht für Fotografen und Kreative“ (2. Auflage) und „Datenschutz in der KiTa – Grundlagen und Erläuterungen für den Umgang mit Daten“ sowie Lehrbeauftragter an der Fachhochschule Südwestfalen.

E-Mail: d.toelle@rechtambild.de
Twitter: @dennistoelle


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1 Kommentar

  1. avatar
    Kai 22. Juni 2012 Antworten
    http://www.spiegel.de/netzwelt/netzpolitik/grundschule-schliesst-facebook-gegner-von-unterricht-aus-a-840150.html

    Es ist noch besser. Die Schüler wurden ausgeschlossen, weil die Eltern einer kommerziellen Nutzung der Bilder nicht zugestimmt haben. Es ging wohl um eine mögliche Nutzung durch eiinen Versicherer.

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