Urheberrecht

Der Tierische Fotograf

Von einem Leser wurden wir auf den Artikel „Makake schießt affengeile Bilder“ aufmerksam gemacht. Darin wird auf amüsante Art und Weise beschrieben, wie ein Fotograf im Moment der Unachtsamkeit sein Equipment an einen Affen verliert. Der Affe spielt mit der Kamera und schießt dabei hunderte Fotos. Doch nicht nur der Makake, auch eine Orang-Utan-Dame aus dem Wiender Zoo nimmt gerne mal die Kamera in die Hand und drückt den Auslöser. Sie besitzt sogar eine eigene Facebookseite. Muss man diese Affen nun fragen, wenn man die Bilder verwerten möchte?

Ein Affe als Fotograf und Urheber

Zunächst ist festzuhalten, dass ein Affe kein Werk im Sinne des Urheberrechtgesetzes erschaffen kann. Denn hierfür wird eine persönlich geistige Schöpfung gefordert.

Als persönliche Schöpfungen werden nur solche angesehen, die von Menschen erbracht werden. Es wird ein menschlicher, den konkreten Entstehungsprozess steuernde, Wille verlangt. Mancher mag sagen, dass ein Affe intelligent genug ist und mit Übung ebenfalls willentlich ein Foto machen kann. Das macht ihn dennoch nicht menschlich genug um vom Urheberrechtsgesetz als Werkersteller anerkannt zu werden.

Zudem fehlt es den Fotos des Affen wohl auch am geistigen Gehalt. Soll heißen, der Affe wird in der Regel mit dem Foto nicht seinen „individuellen Geist“ zum Ausdruck bringen (wollen). Der Affe versteht die Kamera eher als Spielgerät und die Fotos entstehen zufällig.

Und was ist mit Leistungsschutzrechten

Denken wir doch stattdessen einen Moment darüber nach, ob die von einem Affen hergestellten Bilder als Lichtbilder qualifiziert werden können. Wenn dem so wäre stünden dem Affen die gleichen Rechte zu wie einem Urheber. Lässt man sein (Haus)Tierchen also ein mehr oder minder zufälliges Bild erstellen, müsste man dann streng genommen das Tier fragen, ob man die Fotos nutzen dürfe.

Allein dieser Umstand zeigt schon, dass daran etwas nicht stimmen kann. Doch die Vorstellung, dass ein Herrchen seinem Tier zu erklären versucht, dass dessen Bilder nun verwertet werden, ist ganz amüsant. Für die gesetzliche Begründung muss man dann schon genauer hinschauen.

Aus dem § 72 UrhG kann man jedenfalls nicht direkt entnehmen, dass ein Lichtbild von einem Menschen erstellt worden sein muss. Es wird einzig darauf verwiesen, dass Lichtbilder und Lichtbildwerke bis auf wenige Ausnahmen gleichgestellt sind.

Für die Auflösung muss der Gesetzgeber aushelfen (BT-Drucks. IV/270, S. 89). Denn Lichtbilder und Lichtbildwerke wurden damals nicht getrennt aufgeführt um zu verdeutlichen, dass Lichtbilder gerade keine Werke sind. Vielmehr wollte der Gesetzgeber auch Lichtbilder ähnlich wie Lichtbildwerke schützen, weil es in der Praxis andernfalls zu „unüberwindlichen Abgrenzungsschwierigkeiten“ käme. Dies bedeutet, dass auch Lichtbilder von Menschenhand kommen müssen um den entsprechenden Schutz zu erhalten. Die Abgrenzung zum Lichtbildwerk soll nur in Ausnahmesituationen notwendig sein.

Am Ende bleibt zu sagen

Es würde bestimmt lustige und interessante Ergebnisse einbringen, einem Tier die Kamera in die Hand zu drücken und “aus seiner Sicht” die Welt festzuhalten. Wenn das Lieblingstier ein Bild malt, ein Foto schiesst oder ähnliches vollbringt – dann kann dies zwar durchaus „künstlerisch“ wirken, doch Tieren kann kein Urheberrechts- oder Leistungsrechtsschutz zugestanden werden.

(Foto: © HenningManninga – Fotolia.com)

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Chefredakteur

Rechtsanwalt Florian Wagenknecht

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Florian Wagenknecht ist Rechtsanwalt bei TWW.LAW. Als Fachanwalt für Urheber – und Medienrecht und Datenschutzbeauftragter (TÜV) steht er seinen Mandanten für umfassende Beratungen zur Seite. Eine spezielle Expertise besitzt RA Wagenknecht im Bereich des Fotorechts, sowohl bei der Rechtsdurchsetzung von Lizenzansprüchen wie auch der Abwehr von Abmahnungen.

RA Wagenknecht hat Rechtswissenschaften in Bonn mit dem Schwerpunkt auf  “Wirtschaft & Wettbewerb” studiert und sein Referendariat bei dem Oberlandesgericht Köln mit Stationen bei der Deutschen Welle in Bonn und einer international tätigen Rechtsanwaltskanzlei in Köln absolviert. 2013 schloss er die Zusatzausbildung „Journalismus und Recht“ ab.

Seit 2010 ist RA Wagenknecht Chefredakteur des Online-Magazins „rechtambild.de“ in dem er regelmäßig publiziert. Er ist Mitautor des Buches “Recht am Bild: Wegweiser zum Fotorecht für Fotografen und Kreative” sowie „Datenschutz in der KiTa – Grundlagen und Erläuterungen für den Umgang mit Daten“.

Kontakt: f.wagenknecht[at]rechtambild.de – Florian Wagenknecht


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    Veröffentlichung: 26. September 2011

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