Fotorecht

Ist das aktuelle Spiegel-Cover ein Plagiat?

Das Cover der aktuellen Ausgabe des Magazins ‘Spiegel’ zeigt den Schriftzug der ‘Bild’-Zeitung, modelliert aus 14.000 Streichhölzern und unterschrieben mit dem Titel “Die Brandstifter”. Anlass dieser Aufmachung ist ein Artikel des Magazins, das unter anderem die Plagiatsaffäre des mittlerweile zurückgetretenen Verteidigungsministers Karl Theodor zu Guttenberg zum Thema hat. Es erscheint daher umso erstaunlicher, dass nun gerade dieses Cover selbst ein Plagiat sein soll.

Wie unter anderem die Süddeutsche Zeitung berichtet, ist eine Installation dieser Art bereits im Jahr 2008 im Rahmen einer Ausstellung durch den Künstler Gürsoy Dogmas (36) veröffentlicht worden. Dieser sieht sich durch das Handeln der Verantwortlichen ‘Spiegel’-Mitarbeiter in seinem Urheberrecht verletzt. Verständlicherweise sieht man dies beim ‘Spiegel’ anders und beruft sich auf eine zufällige “Doppelschöpfung”. Die Installation Gürsoys sei nicht bekannt gewesen.

Ein Plagiat läge vor, wenn eine fremde Urheberschaft als eigene angemaßt wird und kann sowohl als Kopie oder als Zitat ohne Quellenangabe vorliegen, §§ 51, 63 UrhG. Weiter wird vorausgesetzt, dass ein Werk unbefugt in Kenntnis des fremden Urheberrechts übernommen wird, um es als sein eigenes zu verwenden (BGH 1. Zivilsenat, “Plagiatsvorwurf”, Urteil v. 12.01.1960, I ZR 30/58). Aufgrund der starken Ähnlichkeit beider Installationen (bzw. die Fotografien derer) liegt der Gedanke nah, dass es sich zumindest objektiv um ein Plagiat handelt. Entscheidend wird demnach sein, ob die geforderte Kenntnis von der fremden Urheberschaft bestand. Dies wird sich im Fortlauf des Geschehens zeigen müssen. Gürsoy selbst sagt jedoch, dass er ein Plagiat “natürlich nicht nachweisen” können.

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Chefredakteur/Gründer

Rechtsanwalt Dennis Tölle

toelle

Dennis Tölle ist Partner der Kanzlei Tölle Wagenknecht Wulff. Er ist vorwiegend im Bereich des gewerblichen Rechtsschutzes und des Urheberrechts tätig. Er begleitet kleine und mittelständische Unternehmen bei der Entwicklung von Markenstrategien sowie des rechtskonformen Außenauftritts. Unternehmen und Privatpersonen steht er bei Fragen zum Persönlichkeits- und Äußerungsrecht zur Seite.

Dennis Tölle ist Gründer und Chefredakteur des Magazins rechtambild.de und Mitautor der Bücher „Recht am Bild: Wegweiser zum Fotorecht für Fotografen und Kreative“ (2. Auflage) und „Datenschutz in der KiTa – Grundlagen und Erläuterungen für den Umgang mit Daten“ sowie Lehrbeauftragter an der Fachhochschule Südwestfalen.

E-Mail: d.toelle@rechtambild.de
Twitter: @dennistoelle


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1 Kommentar

  1. avatar
    Carsten Wartmann 24. März 2011 Antworten
    Der Spiegel ist da echt nicht zimperlich aber auch der Focus nicht, in einem Beitrag 51/1998, S.230 (ja ist schon lange her, aber ich habe es mir gemerkt...) wurde ein von mir erstelltes 3D Modell (Linux Pinguin) benutzt um das Aufmacherbild zu erstellen.

    Wenn man das anmahnt bekommt man gleich von der Focus-Kanzelei eine Antwort, Begründung ähnlich und sehr weltfremd. Aber wer legt sich schon mit einem so großen Verlag an?

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    Veröffentlichung: 2. März 2011

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