Fotorecht

Unberechtigte Bildbearbeitung – und dann?

Um den Artikel einzuleiten, folgender fiktiver Fall: Ein Fotograf möchte Bilder (mit Photoshop etc.) bearbeitet haben. Er gibt diese Bilder an einen Fachmann und bestätigt auf Anfrage seine Urheberschaft. Der Bearbeiter macht sich dann auch direkt an die Arbeit und merkt plötzlich (bspw. anhand der EXIFs), dass der Fotograf und damit Urheber ein ganz anderer ist. Er bearbeitet diese Bilder trotzdem.

Bearbeitung oder freie Benutzung

Man könnte zunächst daran denken, dass Bilder auch frei benutzt werden dürfen. Bei dem geschilderten Fall wird man aber weniger davon ausgehen können, dass ein eigenes Werk geschaffen wurde und das alte Bild dahinter „verblasst“. Daher fällt die “freie Benutzung” raus.

Wie wirkt sich die widerrechtliche Bearbeitung aus

Dreh- und Angelpunkt bei solchen Angelegenheiten wird das Urheberpersönlichkeitsrecht und das damit einhergehende Beeinträchtigungsverbot (§ 14 UrhG) des eigentlichen Fotografen sein. Dabei ist es irrelevant, ob es sich um Lichtbilder oder Lichtbildwerke handelt.

Die Bilder dürften selbst dann nicht uneingeschränkt bearbeitet werden, wenn ein Nutzungsrecht an diesen Bildern bestehen würde (§ 39 UrhG). Werden die Bilder bearbeitet, ist dies in der Regel ein Verstoß gegen das Urheberpersönlichkeitsrecht. Der verletzte Urheber kann u.a. Unterlassung sowie eine Entschädigungszahlung verlangen.

Im schlimmsten Fall liegt sogar eine schwerwiegende Beeinträchtigung durch die rechtswidrige Bearbeitung vor. Dies wurde unter anderem angenommen, wenn der Bearbeiter der Bilder (grob fahrlässig) davon ausgeht, zur Bearbeitung berechtigt zu sein oder sogar Kenntnis von der Nichtberechtigung hat. Die vom Fotografen gewollte Aussage des Bildes muss weitestgehend verloren gehen und eine weitgehende Verbreitung des Bildes bestehen. Sind diese Punkte gegeben, können gar 25.000 € als Entschädigung in Betracht kommen; so LG Hamburg, Urteil v. 05.01.2007, Az. 308 O 460/06.

Strafrechtliche Betrachtung

Strafrechtliche Sanktionen werden für den Bearbeiter eher nicht in Frage kommen. Die §§ 106, 108 UrhG fordern eine Vervielfältigung, Verbreitung oder öffentliche Wiedergabe des Bildes. Bei einfacher Bildbearbeitung kommt nichts davon in Frage.

Die Lehre daraus

Der Bearbeiter kann sich generell nur schwer aus der Affäre ziehen. Zwar hat er im vorliegenden Fall bei dem Fotografen im Vorhinein nach der Urheberschaft gefragt. Doch spätestens wenn man merkt, dass daran etwas nicht stimmt, sollte man noch einmal nachhaken oder die Finger von der Bearbeitung lassen.

Nur wenn man keinen Grund zur Annahme gehabt haben soll, dass der Auftraggeber falsche Angaben gemacht hat, und dennoch Entschädigung zahlen muss (Merke: Unwissenheit schützt vor Strafe/Zahlung nicht!), kann man versuchen, Regressansprüche gegenüber dem Auftraggeber geltend zu machen.

Es wird bei solchen Angelegenheiten der Gang zu einem Anwalt empfohlen.

(Bild: © Aleksandr Stennikov – Fotolia.com)

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Chefredakteur

Rechtsanwalt Florian Wagenknecht

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Florian Wagenknecht ist Rechtsanwalt bei TWW.LAW. Als Fachanwalt für Urheber – und Medienrecht und Datenschutzbeauftragter (TÜV) steht er seinen Mandanten für umfassende Beratungen zur Seite. Eine spezielle Expertise besitzt RA Wagenknecht im Bereich des Fotorechts, sowohl bei der Rechtsdurchsetzung von Lizenzansprüchen wie auch der Abwehr von Abmahnungen.

RA Wagenknecht hat Rechtswissenschaften in Bonn mit dem Schwerpunkt auf  “Wirtschaft & Wettbewerb” studiert und sein Referendariat bei dem Oberlandesgericht Köln mit Stationen bei der Deutschen Welle in Bonn und einer international tätigen Rechtsanwaltskanzlei in Köln absolviert. 2013 schloss er die Zusatzausbildung „Journalismus und Recht“ ab.

Seit 2010 ist RA Wagenknecht Chefredakteur des Online-Magazins „rechtambild.de“ in dem er regelmäßig publiziert. Er ist Mitautor des Buches “Recht am Bild: Wegweiser zum Fotorecht für Fotografen und Kreative” sowie „Datenschutz in der KiTa – Grundlagen und Erläuterungen für den Umgang mit Daten“.

Kontakt: f.wagenknecht[at]rechtambild.de – Florian Wagenknecht


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  • Artikel-Informationen

    Veröffentlichung: 5. Dezember 2011

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